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Sri Daya Mata

Ein Leben in Liebe, Demut und selbstlosem Dienst für Gott

Sri Daya Mata


Sri Daya Mata (1914–2010) war eine der engsten Jüngerinnen Paramahansa Yoganandas. Als wahre »Mutter des Mitgefühls«, wie ihr Name besagt, inspirierte sie Menschen aller Glaubensrichtungen und aus allen Lebensbreichen mit ihrer Weisheit und ihrer großen Liebe zu Gott, die sie uns durch ihre Ansprachen, Schriften sowie ihre Ton- und Videoaufnahmen vermittelte.

Unsere geliebte Präsidentin und Sanghamata, Sri Daya Mata, hat am 30. November 2010 in tiefem Frieden diese Welt verlassen und ist in die Freude ihrer ewigen Heimat in Gott eingegangen. Paramahansa Yogananda hatte sie auserwählt, sein Werk zu leiten und all denen eine geistige Mutter zu sein, die sich zu seiner Lehre hingezogen fühlen. Als geistiges Oberhaupt von Paramahansajis weltweiter Organisation war sie mehr als 55 Jahre eine Quelle der Inspiration, der Weisheit und des Mitgefühls für die Ordensangehörigen und Mitglieder der Self-Realization Fellowship/ Yogoda Satsanga Society of India. Alle, deren Leben sie mit ihrer Liebe, ihrem Verständnis und durch ihr leuchtendes geistiges Vorbild berührt hat, werden sie sehr vermissen. Doch wie sie oft sagte: »Göttliche Liebe breitet sich auch jenseits der Grenzen dieses Lebens aus«, und deshalb wird sie für immer in unseren Herzen und Gedanken als eine Jüngerin leben, die Gurudevas Ideale in vollkommener Weise verwirklicht hat und die alle Kinder Gottes liebte.

Achtzig Jahre Gott und Guru geweiht  

Sri Daya Mata führte ein außergewöhnliches Leben. Nahezu 80 Jahre verbrachte sie als Ordensjüngerin in den Ashrams ihres Gurus, und in dieser Zeit waren ihre Gedanken stets von Liebe zu Gott erfüllt, und all ihr Tun hatte ein Ziel: Ihm zu dienen. Sie strahlte eine einzigartige Kraft und Nächstenliebe aus, obgleich sie die enorme Verantwortung trug, Paramahansa Yoganandas geistiges und humanitäres Werk zu leiten und dessen Wachstum in der ganzen Welt zu fördern. Sie war eine wahre »Mutter des Mitgefühls« – wie ihr Name so treffend ausdrückt – und schenkte allen, denen sie begegnete, bedingungslose Liebe und Güte. Täglich betete sie für unzählige Seelen, die sie um ihren geistigen Beistand gebeten hatten.

Daya Mataji war ein leuchtendes Beispiel wahrer Demut, und Gott nahm immer den ersten Platz in ihrem Bewusstsein ein. Sie bemerkte einmal: »Ich sage mir oft: Ich bin das, was ich in den Augen Gottes und des Gurus bin – nicht mehr und nicht weniger. Ich behaupte nicht, dass ich vollkommen bin oder große Talente und Fähigkeiten besitze. Das Einzige, was ich in diesem Leben zu vervollkommnen suche, ist meine Liebe zu Gott.« Da sie dieses Ziel beharrlich verfolgte, wurde sie zu einem wahren Werkzeug Gottes, durch das Seine Liebe zu vielen Seelen fließen konnte.

Den Lehren ihres Gurus folgend, widmete sie ihr Leben ganz dem Dienst an Gott und der Menschheit. Sie gab uns das schönste Beispiel, wie man ein ausgeglichenes Leben führt, denn sie selbst war unermüdlich in ihren geistigen Übungen und fand Freude und Erfüllung sogar inmitten ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit. Einmal sagte sie: »Ich kann all diese Pflichten erfüllen, und zwar nicht trotz unserer geistigen Übungen, sondern dank ihnen. Denn dadurch erhalte ich die Kraft, die Inspiration und die Führung, die dafür nötig sind: Ich meditiere jeden Morgen, Mittag und Abend, und zwischen den Meditationen sind meine Gedanken ständig auf Gott gerichtet – wie Paramahansaji es uns gelehrt hat.« 
Sri Daya Mata at SRF Encinitas Ashram looking over the ocean

Kindheit, Jugend und erste Begegnung mit Paramahansa Yogananda

Sri Daya Mata wurde am 31. Januar 1914 in Salt Lake City, Utah, als Rachel Faye Wright geboren. Sie wuchs in einer einzigartigen Familie auf. Ihre Eltern Clarence Aaron Wright und Rachel Terry Wright stammten beide aus jenen Mormonenfamilien, die im Planwagen das Land durchquert und den Staat Utah gegründet hatten. Ihre Mutter, ihre Schwester und auch ihre beiden Brüder – sie alle wurden alle Jünger Paramahansajis. Ihre Schwester Virginia, die später Ananda Mata hieß, wurde im Jahre 1933 Ordensjüngerin der SRF und übernahm im SRF-Direktorium die Ämter der Sekretärin und der Schatzmeisterin. Ihre Mutter, deren Name später Shyama Mata war, kam im Jahre 1935 in den Ashram. Beide gehörten zum kleinen Kreis der engsten Jüngerinnen und Jünger des Gurus und haben ihm bis zu ihrem Hinscheiden voller Hingabe gedient. Sri Daya Matas älterer Bruder, C. Richard Wright, assistierte dem Guru während dessen ausgedehnter Reise nach Indien in den Jahren 1935/36. Auszüge aus Richard Wrights faszinierendem Reisetagebuch sind in Paramahansajis geistigem Klassiker »Autobiographie eines Yogi« zitiert. C. Richard Wright und Sri Daya Matas jüngerer Bruder, Dale Wright, folgten den Lehren der SRF bis zum Ende ihres Lebens.

Schon seit frühester Kindheit hatte Daya Mata eine tiefe Sehnsucht nach Gott. Als sie acht Jahre alt war, hörte sie in der Schule zum ersten Mal etwas über Indien; das berührte sie auf ganz geheimnisvolle Weise, und sie war sofort überzeugt davon, dass Indien ihrem Leben Erfüllung bringen konnte. Als sie am selben Tag aus der Schule nach Hause kam, verkündete sie ihrer Mutter jubelnd: »Wenn ich groß geworden bin, will ich nie heiraten; ich will nach Indien gehen.« Prophetische Worte aus dem Munde eines Kindes.

Sie fing nun an, bei den Besuchen in ihrer Kirche etwas zu vermissen, und sehnte sich nach etwas, das ihr mehr Erfüllung schenken würde. Als sie fünfzehn Jahre alt war, erhielt sie eine Ausgabe der Bhagavad-Gita als Geschenk. Diese heilige Schrift hatte eine tiefe Wirkung auf sie, denn sie offenbarte ihr, dass man Gott näherkommen und erkennen kann und dass Seine Kinder göttliche Wesen sind, die durch eigene Bemühungen ihr geistiges Geburtsrecht – die Einheit mit dem Göttlichen – verwirklichen können. Zu diesem Zeitpunkt entschloss sich Sri Daya Mata, ihr Leben der Suche nach Gott zu weihen. Sie suchte eine kirchliche Autorität nach der anderen auf – doch in ihrem Herzen blieb immer eine Frage offen: »Wer aber liebt Gott, wer kennt Ihn?«

1931 kam Paramahansa Yogananda nach Salt Lake City, um dort eine Reihe von Vorträgen zu halten. Daya Mata, damals siebzehn Jahre alt, nahm zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester daran teil. Ihren ersten Eindruck beschrieb sie so: »Wie gebannt stand ich ganz hinten im überfüllten Vortragssaal und nahm von meiner Umgebung nichts mehr wahr, außer dem Redner und dem, was er sagte. Meine Seele ging völlig in der Weisheit und göttlichen Liebe auf, die sich von ihm über mein Herz und meinen Geist ergossen. Ich konnte nur denken: ›Dieser Mensch liebt Gott so, wie ich mich immer danach gesehnt habe, Ihn zu lieben. Er kennt Gott. Ihm will ich folgen!‹«

In einer Versammlung von mehreren tausend Menschen war es unwahrscheinlich, dass das scheue junge Mädchen Gelegenheit haben würde, dem Guru persönlich zu begegnen. Es heißt jedoch, dass in einem Unglück manchmal ein versteckter Segen liegt. Daya Mata hatte an einer schweren Blutkrankheit gelitten. Dieses Leiden, für das die Ärzte kein Heilmittel finden konnten, zwang sie schließlich dazu, die Schule zu verlassen. Dennoch besuchte sie getreulich Paramahansajis Vorträge; und die Verbände, die ihr geschwollenes Gesicht bedeckten, haben den großen Guru sicher auf sie aufmerksam gemacht. Sri Daya Mata erinnerte sich, dass Paramahansaji sie fragte, ob sie glaube, dass Gott sie heilen könne. Als sie die Frage bejahte, berührte er sie an der Stelle zwischen den Augenbrauen und sagte zu ihr: »Von heute an bist du geheilt. Innerhalb einer Woche wirst du keine Verbände mehr brauchen. Deine Narben werden verschwunden sein.« Alles geschah genau so, wie er es vorhergesagt hatte.

Aber für Daya Mata war die Gelegenheit, diesem Mann Gottes zu begegnen, ein noch größerer Segen als ihre erstaunliche Heilung. Sie war außerordentlich schüchtern und wundert sich bis heute, woher sie den Mut nahm, ihm zu sagen: »Ich möchte so gern in Ihren Ashram eintreten und mein Leben der Suche nach Gott weihen.« Der Guru blickte sie einen Augenblick lang durchdringend an und antwortete dann: »Und das wirst du auch.«


Video: Sri Daya Mata beschreibt ihre erste Begegnung mit Paramahansa Yogananda (auf Englisch)

Eine der ersten Ordensjüngerinnen der Self-Realization Fellowship

 Doch es bedurfte eines Wunders, um dies möglich zu machen, denn der Widerstand der Familie war groß. Sie war noch ein junges Mädchen, und ihre konservative Mormonenfamilie war – mit Ausnahme ihrer verständnisvollen Mutter – strikt dagegen, dass sie ihr Zuhause verließ, um einer ihnen völlig fremden Religion zu folgen. Eines Abends sagte Paramahansa Yogananda in einem Vortrag, dass Gott jedem Gottsucher antworten werde, der Ihn tief genug anrufe und entschlossen sei, eine Antwort von Ihm zu erhalten. Daya Mata besaß diese Entschlossenheit. Noch in derselben Nacht begab sie sich, nachdem die Familie zu Bett gegangen war, ins Wohnzimmer, wo sie allein sein konnte. Unter Tränen schüttete sie Gott ihr Herz aus. Nach mehreren Stunden wurde sie von einem tiefen Frieden erfüllt, und ihre Tränen versiegten; sie wusste, dass Gott ihr Gebet erhört hatte. Schon nach zwei Wochen standen ihr alle Türen offen, und am 19. November 1931 durfte sie in Paramahansa Yoganandas Ashram in Los Angeles eintreten.

Empfänglichen Herzens folgte sie eifrig der Führung ihres Gurus. Er erkannte, dass sie das Potenzial besaß für die entscheidende Rolle, die sie eines Tages in seinem Lebenswerk spielen würde. Kurz nach ihrer ersten Begegnung legte sie vor Paramahansaji die endgültigen Gelübde des ehrwürdigen indischen Swami-Ordens ab (Keuschheit, keine Bindung an Besitz, Gehorsam und Treue zu Gott und Guru). So wurde sie eine der ersten Sannyasinis (Nonnen) der Self-Realization Fellowship und gelobte in Herz und Seele, in ihrem ganzen Leben Gott und Guru vollkommen ergeben zu sein, täglich zu meditieren und anderen selbstlos zu dienen.

Während ihres ersten Weihnachtsfestes im Internationalen Hauptsitz und Ashramzentrum der SRF/YSS auf dem Mount Washington hatte Paramahansaji ein kleines Glasei auf den Platz gelegt, auf dem Sri Daya Mata sitzen würde. Als sie fragte, warum er das getan habe, sagte er zu ihr: »Du bist mein Nestei. Als du kamst, wusste ich, dass viele andere treue Jünger zu diesem Weg finden würden.«

Nachdem sie erst kurze Zeit im Ashram gelebt hatte, veröffentlichte Paramahansa Yogananda 1933 im SRF Magazine eine Mitteilung, in welcher er die Ernennung Sri Daya Matas zur Geistlichen der Self-Realization Fellowship bekanntgab. Und so geschah es, dass sie als eine der ersten Frauen in dieses Amt berufen wurde, auch wenn ihr Name – als Zeichen der Bescheidenheit – nur als »Yogi F. Sevaka« angegeben wurde. Dabei stand »F« für Faye, ihrem damaligen Namen, und »sevaka« bedeutete »Dienerin Gottes«. 

Geistige Disziplin im Ashram des Gurus

Die Zeit verging schnell zu Füßen ihres Gurus. Auch wenn sie damals sehr glücklich war, so waren diese ersten Jahre der Schulung im Ashram nicht ohne Kämpfe. Mit liebevoller, aber fester Hand unternahm Paramahansaji die Aufgabe, die junge Nonne in eine vorbildliche Jüngerin zu verwandeln. Von Anfang an war klar zu erkennen, dass der Guru Daya Mata auf eine besondere Rolle vorbereitete. Später sagte er ihr, dass er ihr dieselbe intensive geistige Schulung gegeben habe, die er von seinem Guru, Swami Sri Yukteswar, empfangen hatte – eine bedeutsame Feststellung, denn Sri Daya Mata sollte ja den Mantel der geistigen und organisatorischen Führung erben, den Sri Yukteswar Paramahansaji verliehen hatte.

Mehr als zwanzig Jahre lang gehörte Sri Daya Mata zum kleinen Kreis der engsten Jüngerinnen und Jünger Paramahansajis, die fast immer bei ihm waren. Sie war seine persönliche Sekretärin und hatte auch die Aufgabe, all seine Ansprachen, Vorträge und Seminare in Kurzschrift festzuhalten. Sie half ihm, die detaillierten Anleitungen zu den Techniken der Yoga-Meditation und der Kunst, ein geistiges Leben zu führen, in Lehrbriefen zusammenzufassen, die bis zum heutigen Tag gedruckt und den Mitgliedern als Lehrbriefe der Self-Realization Fellowship zugesandt werden.

Im Laufe der Jahre übertrug er ihr immer größere Verantwortung, und gegen Ende seines Lebens sprach er zu seinen Jüngern ganz offen über die Rolle, die sie in seiner weltweiten Organisation spielen würde. Während der letzten Lebensjahre des Gurus, als ihre Pflichten zunahmen, empfand Daya Mata ihre führende Rolle als eine schwere Prüfung. Sie wollte nur eine bescheidene Jüngerin sein, die durch lange und tiefe Meditation Gott immer näher kommen wollte. Deshalb flehte sie den Meister an, jemanden auszuwählen, unter dem sie dem Werk dienen würde. Doch er blieb eisern. Da sie aber vor allem den Wunsch hatte, den Willen Gottes und ihres Gurus zu tun, stimmte sie innerlich dem zu, was er von ihr verlangte. »Nun ist mein Werk beendet«, sagte Paramahansaji zu ihr, »und deine Arbeit beginnt.«

Kurz vor seinem Heimgang teilte der Guru ihr mit, dass er seinen Körper bald verlassen würde. Bestürzt fragte Daya Mataji, wie das Werk weiter bestehen könne ohne ihn:

»Meister, gewöhnlich wächst eine Organisation nicht weiter, sondern beginnt zu zerfallen, wenn der Leiter dahinscheidet. Wie sollen wir dieses Werk ohne Euch fortführen? Was wird uns denn zusammenhalten und inspirieren, wenn Ihr nicht mehr in diesem Körper seid?«

Ruhig antwortete Paramahansaji: »Wenn ich gegangen bin, kann nur die Liebe meinen Platz einnehmen. Sei so trunken von göttlicher Liebe, dass du überall nur noch Gott wahrnimmst, und schenke diese Liebe allen anderen.« Diese Worte wurden zum Leitgedanken ihres Lebens. 

Leitung des weltweiten Werkes  

Sri Daya Mata pranaming to SRF members at ConvocationIm Jahre 1955, drei Jahre nach Paramahansa Yoganandas Heimgang, übernahm Daya Mata als Nachfolgerin des verstorbenen Rajarsi Janakananda das Amt der Präsidentin der Self-Realization Fellowship/Yogoda Satsanga Society of India (SRF/YSS). Als geistige Nachfolgerin Sri Yoganandas trug sie nicht nur die Verantwortung für die geistige Führung der SRF/YSS-Mitglieder und für die Schulung der in den SRF/YSS-Ashrams lebenden Ordensjünger in Amerika, Deutschland und Indien, sondern auch für die vielen geistigen und humanitären Aufgaben einer weltweiten Organisation. Sie besuchte SRF-Zentren und hielt Kriya-Einweihungen in den USA, in Europa, Mexiko and Japan. Ferner reiste sie im Laufe der Jahre fünfmal für längere Zeit nach Indien, um dort die Aktivitäten der Organisation zu leiten und zu fördern.

Während eines Besuches in Indien wurde Daya Mata der Segen zuteil, Mahavatar Babaji persönlich zu begegnen, dem höchsten in der Reihe der SRF/YSS Gurus. Bei dieser Begegnung bestätigte Babaji, Paramahansa Yogananda habe Sri Daya Mata auserwählt, damit sie seine spirituelle Aufgabe als Präsidentin der Self-Realization Fellowship/Yogoda Satsanga Society of India übernehme.

Am 7. März 1990 berichteten die Zeitungen in Los Angeles über das fünfunddreißigjährige Jubiläum von Sri Daya Mata als Präsidentin der Organisation. In einem Artikel hieß es: »Als eine der ersten Frauen, die in jüngster Zeit zum spirituellen Oberhaupt einer weltweiten religiösen Bewegung ernannt wurden, war sie Wegbereiterin für den heute zunehmenden Trend, Frauen mit spirituellen Führungspositionen zu betrauen, die in den meisten Religionen traditionsgemäß Männern vorbehalten waren. Während der fünfunddreißig Jahre, in denen sie diese Position innehatte, ist sie vielen Menschen bekannt geworden durch ihre weltweiten Vortragsreisen und ihre Schriften sowie die Film- und Tonbandaufnahmen ihrer Ansprachen über die universalen Grundsätze, die von den großen Religionen des Ostens und des Westens befürwortet werden.«

Sri Daya Mata war eine ergebene Jüngerin, die viele Jahre unter Paramahansa Yoganandas Führung Kriya-Yoga-Meditation übte. Dadurch entwickelte sie die geistige Tiefe und allumfassende Liebe, welche für Paramahansaji die Grundvoraussetzungen waren, damit sie sein spirituelles und humanitäres Werk leiten konnte. Zu ihrem Geburtstag im Jahre 1946 hatte der Guru ihr geschrieben: »Mögest Du in der Kosmischen Mutter geboren werden und alle Menschen allein durch Deine geistige Mütterlichkeit inspirieren. Dein einziges Ziel soll es sein, andere durch Dein beispielhaftes Leben zu Gott zu führen.« Und tatsächlich verehren Mitglieder der Self-Realization/Yogoda Satsanga in der ganzen Welt Sri Daya Mata als Sanghamata oder »Mutter der Gemeinschaft«.

Dr. Binay R. Sen, der ehemalige indische Botschafter in den Vereinigten Staaten, stellte fest:

»Nirgends kommt das Vermächtnis [Paramahansa Yoganandas] leuchtender zum Ausdruck als in seiner heiligen Jüngerin Sri Daya Mata, die er darauf vorbereitet hat, sein Werk nach seinem Heimgang weiterzuführen. ... Vor seinem Hinscheiden sagte er zu ihr: ›Wenn ich gegangen bin, kann nur die Liebe meinen Platz einnehmen.‹ Alle, die wie ich das Vorrecht hatten, Paramahansaji zu begegnen, finden in Daya Mataji denselben Geist göttlicher Liebe und göttlichen Mitgefühls, der mich vor fast vierzig Jahren bei meinem ersten Besuch im Mutterzentrum der Self-Realization Fellowship so sehr beeindruckt hat. ... Ich hoffe zutiefst, dass die Fackel, die er entzündet hat und die Sri Daya Mata nun in ihren Händen hält, Millionen von suchenden Menschen den Weg erhellen wird.« 

Ihre letzten Lebensjahre

Video: Sri Daya Mata begrüßt SRF-Mitglieder zu Weihnachten (auf Englisch)

Unter Sri Daya Matas Führung ist das Werk der Self-Realization Fellowship bedeutend gewachsen und hat sich über die ganze Welt ausgebreitet. Als sie starb, gab es über 600 Tempel, Meditationszentren und -gruppen der SRF/YSS in mehr als sechzig Ländern; außerdem mehr als ein Dutzend blühender Ordensgemeinschaften, in denen engagierte Nonnen und Mönche leben; eine Verlagsabteilung, die dafür verantwortlich ist, die Schriften Paramahansa Yoganandas und auch die seiner Ordensjünger in vielen Sprachen zu veröffentlichen; Vortragsreihen und Seminare über die Lehren Sri Yoganandas in Städten auf der ganzen Welt; sehr schöne SRF-Retreats in mehreren Ländern; den Weltweiten Gebetskreis, der für Heilung und Weltfrieden betet; und zahlreiche spirituelle Dienstleistungen und Aktivitäten.

 

 

 
Video: Sri Mrinalini Matas Erinnerungen an Sri Daya Mata
(auf Englisch)
 
 

 

In den nahezu 80 Jahren ihrer hingebungsvollen Arbeit strebte Daya Mata nie nach Ansehen oder einer hohen Stellung. Ihr einziges Ziel war, die Reinheit der Lehren ihres Gurus zu bewahren, in sich selbst die Eigenschaften einer wahren Jüngerin zu vervollkommnen und allen zu helfen, die auf der Suche waren nach geistiger Kraft und tiefem Verständnis. Durch ihr treues Festhalten an diesen hohen Zielen hat sie zahllose Wahrheitssucher auf der ganzen Welt gesegnet und inspiriert. 

Obgleich sie die letzten Jahre ihres Lebens in Abgeschiedenheit verbrachte, war sie bis in ihre letzten Tage für das Werk ihres Gurus tätig. Nach wie vor leitete sie seine weltweite Organisation und arbeitete eng zusammen mit Mrinalini Mata, der SRF-Vizepräsidentin, und anderen Ordensleuten sowie den Mitgliedern des SRF-Direktoriums. 

 

 

 
Video: Sri Mrinalini spricht über Sri Daya Mata (auf Englisch)

 

 

Ununterbrochen floss der Strom ihrer Inspiration, ihrer geistigen Führung und Ermutigung zu den Mitgliedern der weltweiten SRF/YSS-Familie: durch die regelmäßig veröffentlichten Artikel in der Zeitschrift Self-Realization; durch die geistigen Ratschläge in ihren Briefen zu Ostern, Weihnachten und Neujahr sowie ihren zweimonatlichen Briefen; und durch die umfangreiche persönliche Korrespondenz mit einzelnen Gottsuchern. In den letzten Jahren verbrachte sie jedoch die meiste Zeit in Meditation und in tiefem Gebet für all diejenigen, die sie um Hilfe und um ihren Segen gebeten hatten.

In einem Artikel, den sie zwei Jahre vor ihrem Heimgang für die SRF-Zeitschrift verfasst hatte, wandte sich Daya Mata mit diesen Worten an die geliebte Familie der Jüngerinnen und Jünger Paramahansa Yoganandas in der ganzen Welt:

 

»Meine Lieben, ich verbringe meine Tage zumeist in der Abgeschiedenheit, eingehüllt in die beseligende Liebe der Göttlichen Mutter und unseres geliebten Meisters. In meinen Meditationen und Gebeten denke ich jeden Tag voller Liebe an Euch alle und flehe zu Gott, dass Er Euch in diesen schwierigen Zeiten mit Seiner besonderen Hilfe und Kraft segnen möge, damit Ihr unerschütterlich den Weg geht, der zu unserem ewigen Heim in Ihm führt. Ein solch freudiges Entzücken erfüllt mein Herz, wenn ich an all das denke, was der Meister der Welt gegeben hat und was in Wahrheit der Inbegriff der göttlichen Hoffnung einer künftigen Weltzivilisation ist. Ich bitte Euch ganz dringend: Tragt Euren Teil dazu bei. Folgt diesen Lehren, meditiert jeden Tag tief, dient anderen, und richtet Euer Herz und Euren Geist während all Eurer Aktivitäten auf den Einen Quell der Sicherheit, der Erfüllung und der bedingungslosen Liebe.«

Vor allem jedoch war es ihr Wunsch und Ziel, die Menschen dazu zu bewegen, durch tägliche Meditation tiefe Liebe zu Gott und all Seinen Kindern zu entwickeln. Sie sagte:
Sri Daya Mata

»Die Fähigkeit, rein und bedingungslos zu lieben, wird euch durch die Meditation zuteil, wenn ihr Gott liebt und euch schweigend in der Sprache eures Herzens mit Ihm unterhaltet. Ich glaube, es gibt keinen Augenblick in meinem Leben, in dem ich nicht zu Ihm spreche. Dabei kümmert es mich wenig, ob Er zu mir spricht oder nicht. Vielleicht ist es seltsam, so zu denken. Ich weiß nur, welche Freude mich erfüllt, wenn ich innerlich zu Gott spreche und mein Bewusstsein dann plötzlich von einer Woge göttlicher Liebe, Glückseligkeit oder Weisheit überflutet wird. Dann weiß ich: ›O Göttliche Mutter, Du bist es, die mir all das schenkt, was ich im Leben suche.‹ Gott ist die einzige Wirklichkeit; Er allein ist Leben.« 

Ihr Heimgang und Ihr Vermächtnis der göttlichen Liebe

Sri Daya Mata durfte viele Jahre vor ihrem Heimgang einen Vorgeschmack des Todes erleben, der sich ihr als freudiges Erlebnis der Ausdehnung in die Unendlichkeit und der göttlichen Freiheit offenbarte. In Erinnerung an dieses Nahtod-Erlebnis, das sie 1948 während einer Operation hatte, sagte sie:

»Auf einmal hatte ich ein wundersames Erlebnis. Der ganze Raum wurde von einem sanften goldenen Licht erfüllt; und in meiner Stirn erschien das wunderschöne geistige Auge , das ich schon so oft erblickt hatte; es wurde immer größer, bis es schließlich den ganzen Raum auszufüllen schien. Ich hörte, wie mich der mächtige OM-Laut umfing und sich über mein ganzes Wesen ergoss. Welche Freude überflutete mich, als meine Seele ganz mit der Liebe der Göttlichen Mutter verschmolz!

Die Behauptung, dass das ganze Leben blitzschnell an einem vorüberzieht, wenn man an der Schwelle zur anderen Welt steht, stimmt tatsächlich. Es gibt kein Zeitbewusstsein mehr. In Wirklichkeit gibt es so etwas wie Zeit gar nicht; sie ist ein relativer Begriff. Der Meister hat erklärt, dass es in Gottes Bewusstsein keine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gebe; alles geschehe gleichzeitig. Wenn beispielsweise dieser große Raum durch Trennwände unterteilt wäre, könntet ihr immer nur einen Teil des Raumes auf einmal sehen. Würdet ihr das Zimmer aber von oben betrachten, wäre eure Sicht nicht durch diese Unterteilungen begrenzt; ihr könntet den gesamten Raum überblicken. Ähnlich schaut man im göttlichen Bewusstsein alles als Teile des Ewigen Jetzt.

In diesem Bewusstseinszustand sah ich mein ganzes Leben von der Kindheit bis zum gegenwärtigen Augenblick an mir vorüberziehen, als geschähe alles gerade jetzt. Und dann erlebte ich etwas Wunderbares. Eine Stimme, die aus dem OM-Laut hervorging, sprach sanft zu mir: »Dies ist der Tod. Bist du bereit?«

Umgeben vom großen Licht des geistigen Auges, warf ich einen Blick auf die vor mir liegende Welt; sie war von einer solch großen Freude erfüllt, dass ich mich eins mit Gott fühlte. Im Vergleich dazu erschien mir die physische Welt so rau – von Finsternis umgeben und von grober Materie belastet. Normalerweise empfinden wir das nicht so, weil wir uns an diese Daseinsebene gewöhnt haben. Doch wenn ihr zwischen Diamanten und gewöhnlichen Steinbrocken wählen könntet, ist es klar, wofür ihr euch entscheiden würdet. Aus diesem Bewusstsein heraus antwortete ich der Stimme: »Ja, Göttliche Mutter! Da ich einmal so weit in die andere Welt vorgedrungen bin, will ich nicht mehr zurückkehren. Warum sollte ich an dieser grobstofflichen Welt hängen, wenn mich hier göttliche Glückseligkeit erwartet?«

Da sagte die Stimme so liebevoll: »Aber wenn Ich dich bitte, Mir zuliebe zu bleiben?« Oh – ich kann euch gar nicht beschreiben, welche Wirkung diese Worte auf mich hatten! Ein seliger Freudenschauer überrieselte mich! »Du bittest mich, für Dich zu bleiben? Aber ja, Göttliche Mutter, ich will bleiben, um Dir zu dienen!« Daraufhin antwortete die Stimme sehr sanft – und ich kann kaum das tröstende Gefühl beschreiben, in das mein ganzes Bewusstsein versank: »Gut, mein Kind, schlafe jetzt.« Da verlor ich das Bewusstsein, und die Operation nahm ihren Fortgang.»

Daya Mataji erzählte, dass sie Paramahansaji wenige Tage vor seinem Heimgang dieses Erlebnis geschildert hatte. Darauf sagte er zu ihr: »Das war eigentlich der Zeitpunkt, an dem du sterben solltest. Satan hat viele Male versucht, dir das Leben zu nehmen. Aber eines ist ganz sicher: In diesem Leben hat dir die Göttliche Mutter große geistige Freiheit und Kraft gegeben. Niemand wird dich aufhalten können. Mache so weiter wie bisher, bis zum Ende deines Lebens, und du hast die Befreiung erlangt.«

Mitte November 2010, nach mehr als 60 Jahren, in denen sie ihr Versprechen gegenüber der Göttlichen Mutter so selbstlos erfüllt hatte – auf Erden zu bleiben und dem Werk Gottes und ihres Gurus zu dienen –, erkannte Daya Mataji, dass nun die Zeit gekommen war, ihren physischen Körper zu verlassen. Bis zum Ende bewahrte sie sich ihr liebevolles Interesse an anderen und ihr tiefes Verständnis für sie; deshalb rief sie die Mitglieder des Direktoriums der Self-Realization Fellowship und andere liebe Weggefährten zu sich, um ihnen ihren letzten Segen zu geben und Abschied zu nehmen. Mit besonders großer Betonung wiederholte sie das, was sie denen, die bei ihr waren, in den vergangenen Jahren oft gesagt hatte: es sei der Wille Gottes und des Gurus, dass das Direktorium Mrinalini Mata als ihre Nachfolgerin und als geistiges Oberhaupt der SRF/YSS wählen soll. Alle, die in den letzten Tagen bei ihr waren, haben beschrieben, wie ihr Bewusstsein, ihr ganzes Wesen sich mit der unendlichen Liebe Gottes und des Gurus vereinte, während sie sanft zu sich selbst sprach: »Verschmelze mit ihrer Liebe, verschmelze mit ihrer Liebe!« Und immer wieder sagte sie, wobei sie sich auf die geliebte spirituelle Familie der Ordensangehörigen und der Mitglieder der SRF/YSS bezog: »Sagt ihnen allen, wie sehr ich sie liebe! Sagt ihnen allen, wie sehr ich sie liebe!« In diesem Bewusstseinszustand ging sie am Dienstag, den 30. November 2010, spätabends hinüber in die endgültige Befreiung von der sterblichen Hülle.

 

Video: Sri Daya Mata: »Wo wir alle uns erneut treffen werden« (auf Englisch)

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Der erhebende Einfluss von Menschen, die Gott in ihrem Leben bedingungslos geliebt haben, geht weit über ihre kurze Lebensspanne auf Erden hinaus. Selbst jetzt können wir fühlen, wie Sri Daya Matas Segen auf uns herabfließt, uns leitet und uns in unserer geistigen Suche ermutigt. Wir bitten Sie, gemeinsam mit uns, Sri Daya Mata die Liebe unserer Herzen und unsere Dankbarkeit zu senden, in dem Bewusstsein, dass ihre göttliche Liebe und ihr tiefes Mitgefühl immer gegenwärtig sind.

 

 

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 *Fußnoten:

1. Geschildert in Daya Matajis Buch Only Love in dem Kapitel »A Blessing From Mahavatar Babaji«.

2. Das einfältige Auge der Intuition und allgegenwärtigen Wahrnehmung im Christuszentrum (Ajna-Chakra) zwischen den Augenbrauen; der Zugang zu den höchsten Stadien göttlichen Bewusstseins. Der tief meditierende Gottsucher schaut das geistige Auge als einen Ring goldenen Lichts, der einen Kreis von opalisierendem Blau umschließt, in dessen Zentrum ein fünfzackiger weißer Stern erstrahlt.

3. Daya Mata erzählt diesen Vorfall auf der CD »Strengthening the Power of the Mind« und ebenfalls in ihrem Buch »Alles Glück liegt in dir«, auf den Seiten 176–178.

4. In den Satzungen der Self-Realization Fellowship, die von Paramahansa Yogananda festgelegt wurden, hat der Guru rechtliche Vorkehrungen getroffen, die besagen, dass nach dem Ableben von Rajarsi Janakananda – den er als seinen Nachfolger im Amt des Präsidenten der SRF bestimmt hatte – alle künftigen Präsidenten vom Direktorium gewählt werden sollten. Seinen engen Jüngern hatte er bereits Folgendes über die Personen anvertraut, die als seine spirituellen Nachfolger in dieses Amt gewählt werden würden: »Gott und Guru wissen bereits, wer sie sind, und wenn die Zeit kommt, wird diese Wahl auf göttliche Weise offenbart werden. An der Spitze dieser Organisation werden immer Männer und Frauen stehen, die göttliche Verwirklichung erlangt haben.«

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