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Glossar E – G

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Egoismus: Das Ichprinzip, Ahamkara (wörtlich: »ich tue«), ist die eigentliche Ursache des Dualismus oder der scheinbaren Trennung zwischen Mensch und Schöpfer. Ahamkara bringt die Menschen unter den Einfluss der Maya (s.d.), sodass das Subjekt (Ich) fälschlicherweise als Objekt erscheint und die Geschöpfe sich für den Schöpfer halten. Indem der Mensch das Ichbewusstsein überwindet, erwacht er und erkennt sein göttliches Wesen, seine Einheit mit Gott, dem Einzigen Leben.

 

Elemente (fünf): Die kosmische Schwingung oder OM erbaut die ganze irdische Schöpfung, einschließlich des menschlichen Körpers, durch die Manifestation von fünf Tattvas (Elementen): Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther (s.d.). Es handelt sich um aufbauende Kräfte, ihrer Art nach intelligent und aus Schwingungen bestehend. Ohne das Erdelement gäbe es keine feste Materie; ohne das Wasserelement keine Flüssigkeiten; ohne das Luftelement keine Gase; ohne das Feuerelement keine Hitze; ohne das Ätherelement keinen Hintergrund, auf den die kosmischen Filmbilder projiziert werden können. Prana (die kosmische vibrierende Energie) fließt durch das verlängerte Mark in den Körper und teilt sich dann in fünf elementare Ströme durch die Tätigkeit der fünf unteren Chakras (s.d.) oder Zentren: des Steißbein- (Erde), Kreuzbein- (Wasser), Lenden- (Feuer), Rücken- (Luft) und des Nackenzentrums (Äther). Im Sanskrit nennt man diese Elemente Prithivi, Ap, Tej, Prana und Akasha.

 

Evangelium. Das Wort Evangelium leitet sich vom altgriechischen Wort evangelion ab, wörtlich eine »frohe Botschaft« oder »gute Nachricht«. Es wird für Jesu Lehren im Griechischen verwendet, der Sprache, in der das Neue Testament ursprünglich geschrieben wurde.

 

Historiker haben festgestellt, dass die Geschichten über das Leben Jesu in den Jahren unmittelbar nach seiner Himmelfahrt vor allem mündlich verbreitet wurden; verschiedene Gemeinden der sich entwickelnden christlichen Bewegung hatten unterschiedliche Sammlungen von Geschichten und Worten. Obwohl Kreuzigung und Auferstehung Jesu im Jahre 30 unserer Zeitrechnung geschahen, wurde das erste der vier kanonischen Evangelien (das Markus-Evangelium, wie die meisten Gelehrten glauben) erst 40 Jahre später geschrieben. (Frühe Christen sahen die jüdischen Schriften als ihre heiligen Bücher an; und weil viele die baldige Rückkehr Jesu auf die Erde erwarteten, fühlten sie offensichtlich kein Bedürfnis nach weiteren schriftlichen Unterweisungen. Obwohl die ersten Epistel oder Pastoralbriefe des Apostel Paulus um das Jahr 50 oder 52 geschrieben wurden, wurde doch kein zusammenhängender Text über Jesu Leben und Lehre geschrieben, bis der Markus-Text um das Jahr 70 erschien.)

 

Historiker sind sich im Allgemeinen darüber einig, dass sowohl Matthäus als auch Lukas sich auf den Text von Markus gestützt haben; beide hatten jedoch außerdem noch Zugang zu Schriften aus anderen Quellen. Schriftgelehrte schreiben weitere Unterschiede in Inhalt und Gewichtung der vier Evangelien, die zu unterschiedlichen Zeiten zwischen den Jahren 70 und 90 unserer Zeitrechnung geschrieben wurden, den besonderen Ereignissen und Anliegen zu, welche die unabhängigen christlichen Gemeinden – einige jüdischer, andere nichtjüdischer Herkunft – bewältigen mussten. Diese christlichen Gemeinden waren in verschiedenen Gegenden des Ost-Römischen Reiches verstreut, als sich die Bewegung mit der Zeit von ihren jüdischen Wurzeln hin zu einer vollkommen separaten Religion entwickelte. (Das Thomas-Evangelium, aus dem auch zitiert wird, soll während derselben Zeit wie die vier kanonischen Evangelien zusammengetragen worden sein – einige Jahrzehnte nach der Himmelfahrt Jesu).

 

Was die Verfasser der vier Evangelien des Neuen Testaments betrifft, sind natürlich Matthäus und Johannes zwei der ursprünglichen zwölf Apostel Jesu. Laut Papias, dem Bischof von Hieropolis in Kleinasien (ca. 130), war Markus Gehilfe und »Deuter« von Petrus, dem Jünger Jesu, und hat das niedergeschrieben, was er Petrus über die Taten und Worte Jesu hat berichten hören. Lukas wird in frühen Berichten als Wegbegleiter von Paulus gesehen, der persönlich Petrus, Johannes und Jakobus, den Bruder von Jesus, kannte. Einen historischen Überblick über die einzelnen Verfasser des Evangeliums findet man in Three Gospels [Drei Evangelien] (New York: Simon und Schuster, 1997) von Prof. Reynolds Price von der Duke-University.

 

Geistiges Auge: Das einfältige Auge der Intuition und allgegenwärtigen Wahrnehmungskraft im Christus-(Kutastha-)Zentrum (Ajna-Chakra) zwischen den Augenbrauen. Der tief meditierende Yogi nimmt das geistige Auge als einen Ring goldenen Lichtes wahr, der eine opalblaue Sphäre umschließt, in deren Mittelpunkt sich ein fünfzackiger weißer Stern befindet. Mikrokosmisch gesehen versinnbildlichen diese Formen und Farben nacheinander die Schwingungsebene der Schöpfung (die Kosmische Natur oder den Heiligen Geist); den Sohn oder die Intelligenz Gottes in der Schöpfung (das Christusbewusstsein); und den schwingungslosen GEIST jenseits aller Schöpfung (Gottvater).

 

Das geistige Auge ist das Tor zu den höchsten göttlichen Bewusstseinsebenen. In tiefer Meditation, wenn das Bewusstsein des Gottsuchers das geistige Auge durchdringt und in die drei darin versinnbildlichten Bereiche vordringt, erlebt er nacheinander folgende Stadien: das Überbewusstsein oder die ewig neue Freude seelischer Verwirklichung und seine Einheit mit Gott als OM (s.d.) oder Heiligem Geist; das Christusbewusstsein, seine Einheit mit der universalen Intelligenz Gottes in der ganzen Schöpfung; und das kosmische Bewusstsein, seine Einheit mit der Allgegenwart Gottes, welche die Bereiche sowohl jenseits als auch innerhalb der vibrierenden Schöpfung durchdringt. Siehe auch Bewusstseinszustände; Überbewusstsein; Christusbewusstsein.

 

Paramahansa Yogananda erklärte einen Abschnitt aus dem alttestamentlichen Buch Hesekiel (43, 1–2) wie folgt: »Durch das göttliche Auge in der Stirn (›den Morgen‹) führt der Yogi sein Bewusstsein in die Allgegenwart und hört das Wort oder OM, den göttlichen Laut eines ›großen Wassers‹: die Lichtschwingungen, die das einzig Wirkliche in der Schöpfung sind.« Mit Hesekiels Worten ausgedrückt: »Und er führte mich wieder zum Tor gegen Morgen. Und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam von Morgen und brauste, wie ein großes Wasser braust, und es ward sehr licht auf der Erde von seiner Herrlichkeit

 

Auch Jesus sprach vom geistigen Auge: »Wenn nun dein Auge einfältig ist, so ist dein ganzer Leib licht ... So schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei.« (Lukas 11, 34–35)

 

Göttliche Mutter: Die Ausdrucksform Gottes, die in der Schöpfung tätig ist; Shakti oder die Kraft des Transzendenten Schöpfers. Andere Bezeichnungen für diese Ausdrucksform der Gottheit sind OM, Shakti, Heiliger Geist, Kosmische Intelligente Schwingung, Natur oder Prakriti. Ebenfalls die persönliche Ausdrucksform Gottes, welche die Liebe und die mitfühlenden Eigenschaften einer Mutter verkörpert.

 

In den heiligen Schriften der Hindus heißt es, dass Gott sowohl immanent als auch transzendent, sowohl persönlich als auch überpersönlich ist. Man kann Ihn als das Absolute suchen oder als eine Seiner offenbarten ewigen Eigenschaften – als Liebe, Weisheit, Glückseligkeit, Licht; in Gestalt einer Ishta (einer Gottheit); oder als Himmlischer Vater, Himmlische Mutter, Himmlischer Freund.

 

Gunas: Die drei Grundeigenschaften der Natur: Tamas, Rajas und Sattva – Hindernis, Tätigkeit und Ausdehnung; oder Masse, Energie und Intelligenz. Im Menschen zeigen sich die drei Gunas als Unwissenheit oder Untätigkeit; als Tätigkeit oder Streben; und als Weisheit.

 

Guru: Geistiger Lehrer. Das Wort Guru wird oft missbraucht und einfach auf jeden Lehrer oder Erzieher angewandt. Ein wahrer, von Gott erleuchteter Guru hat Herrschaft über sich selbst erlangt und weiß sich eins mit dem allgegenwärtigen GEIST. Nur er ist fähig, den Sucher auf seinem Weg nach innen richtig zu leiten und ihm göttliche Verwirklichung zu vermitteln.

 

Wenn ein Wahrheitssucher bereit ist, Gott ernsthaft zu suchen, sendet ihm der Herr einen Guru und leitet den Jünger durch die Weisheit, Intelligenz, SELBST-Verwirklichung und Lehre eines solchen Meisters. Indem der Jünger der Lehre des Meisters folgt und sich seiner Disziplin unterwirft, kann er das Verlangen seiner Seele nach dem Manna der Gotteswahrnehmung stillen. Ein wahrer Guru – von Gott beauftragt, aufrichtigen Suchern zu helfen, die aus tiefster Seele nach Ihm rufen – ist kein gewöhnlicher Lehrer: Er dient Gott als menschliches Werkzeug, denn Gott benutzt dessen Körper, Worte, Gedanken und geistigen Fähigkeiten dazu, verirrte Seelen zu sich zu ziehen und in ihre unsterbliche Heimat zurückzuführen. Ein Guru ist die lebendige Verkörperung der in den heiligen Schriften enthaltenen Wahrheiten. Er ist ein Vermittler der Erlösung, den Gott auf die Bitte des Wahrheitssuchers hin gesandt hat, um diesen von der Bindung an die Materie zu befreien.

 

»Umgang mit dem Guru zu pflegen«, schreibt Swami Sri Yukteswar in seinem Buch Die Heilige Wissenschaft, »bedeutet nicht nur, in seiner körperlichen Gegenwart zu weilen (was oft unmöglich ist), sondern hauptsächlich, ihn im Herzen zu fühlen, seinen Ratschlägen zu folgen und sich innerlich auf ihn einzustellen«. Siehe auch Meister.

 

Gurudeva: »Göttlicher Lehrer«, ein gebräuchlicher Sanskritbegriff, der Respekt zum Ausdruck bringt und oft verwendet wird, wenn man seinen geistigen Präzeptor anredet oder von ihm spricht; im Englischen manchmal mit »Master« (Meister) übersetzt.

 

Gurus der Self-Realization Fellowship: Die Gurus der Self-Realization Fellowship (Yogoda Satsanga Society of India) sind Jesus Christus, Bhagavan Krishna und eine Linie von erleuchteten Meistern der Gegenwart: Mahavatar Babaji, Lahiri Mahasaya, Swami Sri Yukteswar und Paramahansa Yogananda. Es ist eines der Hauptanliegen der SRF, die Harmonie und grundsätzliche Übereinstimmung zwischen den Lehren Jesu Christi und der Yoga-Wissenschaft Bhagavan Krishnas aufzuzeigen. Alle diese Gurus tragen durch ihre universale Lehre und durch ihre göttliche Vermittlung dazu bei, die Mission der Self-Realization Fellowship zu erfüllen, nämlich der ganzen Menschheit eine anwendbare spirituelle Wissenschaft der Gottverwirklichung zu bringen.

 

Das Weiterreichen des geistigen Mantels eines Gurus an einen Jünger, der auserwählt wurde, die Linie, der sein Guru angehört, fortzusetzen, wird Guru-Parampara genannt. Somit lautet die direkte Linie der Gurus Paramahansa Yoganandas: Mahavatar Babaji, Lahiri Mahasaya und Swami Sri Yukteswar.

 

Vor seinem Ableben sprach Paramahansaji, es sei Gottes Wille, dass er der Letzte in der Reihe der Gurus der Self-Realization Fellowship sein soll. Kein späterer Jünger oder Leiter der Organisation wird je den Titel eines Gurus annehmen. »Wenn ich gegangen bin«, sagte er, »wird die Lehre der Guru sein. ... Durch die Lehre werdet ihr im Einklang mit mir und den großen Gurus sein, die mich gesandt haben.«

 

 

Wenn Paramahansaji zur Nachfolge in der Präsidentschaft der Self-Realization Fellowship / Yogoda Satsanga Society of India befragt wurde, gab er zur Antwort: »An der Spitze dieser Organisation werden immer Männer und Frauen stehen, die SELBST-Verwirklichung erlangt haben. Sie sind Gott und den Gurus bereits bekannt. Sie werden als meine geistigen Nachfolger und Repräsentanten in allen spirituellen und organisatorischen Angelegenheiten tätig sein.«

 

 

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